„Warum?!“ schrie sie. „Spinnst du?“

 

ER:

Aber du bist etwas Besonderes für mich. Wenn wir zusammen sind, stimmt für mich alles. Ich habe Vertrauen zu dir, ich mag dich, ich möchte dich nicht verlieren. Damals war ich total verwirrt […]“  

(Zum Verständnis der Situation: Ein Mann in Erklärungsnot. Er hat sie verletzt und nur noch „bei Bedarf“ beachtet. Sie hat dann nicht mehr mit ihm geredet und verschwand für zwei Monate, was er nicht verstanden hat.)

Warum?“

Warum?!“ schrie sie. „Spinnst du? Du kapierst den englischen Konjunktiv und Trigonometrie und liest Marx und verstehst nicht einmal das? Wo ist da überhaupt die Frage? Warum muss ein Mädchen dir so was beantworten? […] … Ich habe mich eben in dich verliebt!“

Ich wollte etwas sagen, aber das Wort blieb mir im Hals stecken.

Midori schmiss ihre Kippe in eine Pfütze. „Jetzt mach doch nicht so ein entsetztes Gesicht. Du machst mich ja ganz traurig. Ist schon in Ordnung. Ich weiss, dass du eine andere liebst, und erwarte nichts weiter von dir. Aber kannst du mich wenigstens mal in den Arm nehmen? Es waren nämlich zwei schreckliche Monate für mich.“

Wir umarmten uns hinter dem Spielplatz unter meinem aufgespannten Schirm. Unsere Körper pressten sich aneinander, und unsere Lippen trafen sich. […]

Ich hab dich sehr lieb“, sagte ich. „Von ganzem Herzen. Ich will dich kein zweites Mal verlieren. Aber ich kann nichts machen – ich bin gebunden.“ […]

Ich bin ein Mädchen aus Fleisch und Blut“, sagte Midori, währen sie ihre Wange an meinen Hals drückte. „Ich bin in deinen Armen und habe dir gerade eröffnet, dass ich dich liebe. Schlag vor, was wir machen sollen, und ich tu’s. Vielleicht spinne ich ein bisschen, aber eigentlich bin ich ein ehrliches, braves Mädchen, arbeitsam, ganz niedlich, mein Busen ist auch in Ordnung, kochen kann ich auch […]

Gib mir etwas Zeit“, sagte ich. „Zum Nachdenken, Ordnen, Entscheiden. So leid es mir tut, mehr kann ich jetzt nicht sagen.“

Aber du liebst mich von ganzem Herzen und willst mich nicht verlieren?“

Hab‘ ich doch gesagt.“

Midori beugte sich zurück und sah mir lächelnd ins Gesicht. „Also gut, ich warte, weil ich Vertrauen zu dir habe. Aber wenn du mich nimmst, muss ich die einzige sein. Und wenn du mich umarmst, denkst du nur an mich. Verstehst du, was ich meine?“

Sehr gut.“

Du darfst alles mit mir machen, aber du musst aufhören, mich zu verletzen. Ich habe in meinem Leben genug mitgemacht. Mehr als genug. Ich möchte glücklich werden.“

(ein Textauszug aus Naokos Lächeln von Haruki Murakami)

In diesem Roman ist Tōru Watanabe (zugleich Protagonist und Ich-Erzähler) gefangen in seiner Unschlüssigkeit über die Liebe zu zwei Frauen: der geheimnisvollen und stillen Naoko und der lebenslustigen und extrovertierten Midori …

Der Roman wurde weltweit 13 Millionen Mal verkauft.“ (Wikipedia)

Darüber wundere ich mich nicht, nachdem ich nun dieses Buch gelesen habe.

Er schreibt Bücher – Buch für Buch ein Meisterwerk Sein Schreibstil ist klar und verständlich. Die Handlung überaus sinnlich, ohne vulgär zu erscheinen. Und ich begegne bei ihm wundervoller Musik und Altbekanntem wie z.B. Hermann Hesses „Unterm Rad“, Aldous Huxley und seinen Wahrnehmungen und vielen anderen Schriftstellern und Musikern, mit denen ich mich immer wieder gerne beschäftige.

Naokos Lächeln habe ich mit Begeisterung gelesen und könnte nun eine Menge darüber schreiben. Aber ich bin neugierig, möchte mehr … mehr Haruki Murakami.

Nun habe ich Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ begonnen und habe den Eindruck, dass dies auch ein ganz besonderer Bestseller für mich sein wird.

2 Gedanken zu “„Warum?!“ schrie sie. „Spinnst du?“

  1. Liebe Christel, vielen Dank für diesen wunderbaren Autoren Tipp und weißt Du was, ich muss mich einfach mit seiner Literatur beschäftigen, denn wir haben am selben Tag Geburtstag.
    Es gibt keine Zufälle, immer mehr glaube ich daran.😉

    LG Babsi

    Gefällt 1 Person

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