Warum schreibe ich eigentlich?

Sie hatte auch noch eine andere Seite, die nur wenige kennen: sie schrieb auch Geschichten und Gedichte!

Ich spreche von der von mir sehr verehrten Managementtrainerin und Sachbuchautorin Vera F. Birkenbihl. Sie galt als einzige bekannte Frau unter den Motivationstrainern. Leider starb sie viel zu früh. Von ihr habe ich während meiner Berufszeit sehr viel gelernt und auch umgesetzt. Nur wenige Worte von ihr genügten mir oft, um wieder die Motivation zu erhalten, die ich bei Problemstellungen brauchte. Sie hatte die grosse Gabe, Wissen zu vermitteln, das viele Menschen gerne aufnahmen und damit ihr Leben oft erfolgreich fortsetzten.

Dass sie auch Geschichten und Gedichte schrieb, entdeckte ich erst viel später und hatte das grosse Glück, ihr Buch noch erwerben zu können – zwischenzeitlich ist es eine begehrte Rarität.

In Ihrem Buch ging es ihr u.a. um die Frage:“Warum schreibe ich eigentlich?“

So mancher Schreiberling stellt sich wohl hin und wieder diese Frage.

Das hier sind einige ihrer Worte dazu (ein Tagebucheintrag aus ihrem Buch):

„Ich muss noch mehr schreiben. Es ist zwanghaft – genau das ist es. Manchmal beunruhigt es mich geradezu, dass ich so viel schreiben muss. Es ist nicht so, dass ich GIDE oder JOYCE oder eine andere wichtige Person wäre. Ich denke nur ständig daran, dass ich etwas zu sagen habe. Man sagt mir, dass meine Sachen gut wären, nur wollten sie es nicht kaufen, weil es sich nicht verkaufen liesse und nicht viel Geld bringen würde. Das ist alles, woran gedacht wird: Geld. Das macht mich manchmal richtig krank. [….]

Manchmal fühle ich mich wie van Gogh. Seine Farben waren zu leuchtend für seine Zeit. Deshalb brachte er sich schliesslich um. Es hiess, er sei schizophren. Vielleicht musste er in dieser Welt verrückt sein. Er schuf wunderbare Kunst, die abgelehnt wurde. Heute scheint man etwas erwachsener geworden zu sein. Heute kann man seine Bilder anschauen, ohne zu erblinden. Wird man jemals meine Worte lesen können, ohne mir zu sagen, dass ich aufhören soll?

Natürlich könnte ich einfach aufhören. Ich könnte etwas anderes machen. Warum wählte ich überhaupt das Schreiben? Nun, ich wählte es nicht wirklich, es wählte mich. Ich habe immer geschrieben, schon als Kind. Nur damals wurde mir gesagt, dass ich Talent hätte. Du musst es sich entfalten lassen. Nachdem ich es getan habe, wird mir gesagt: Warum schreiben Sie nicht mehr Mystery-Geschichten. Oder Science-Fiction? Schön und sicher, für sie. [….]

Trotz alledem muss ich weiterschreiben. Es ist eine Besessenheit. Ich frage mich, ob ich verrückt werde. Vielleicht gibt es wirklich eine wundervolle Welt da draussen. Vielleicht liegt es nur an mir, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht gibt es wirklich keine Gewalt, keinen Hass, keine Grausamkeit und keine Heuchelei da draussen. Vielleicht bringen wir diesen Planeten nicht um. Wie kann ich das wissen? Die meisten können nicht sehen, was ich ihnen zeigen möchte. Die meisten sind normal. Ich bin es eindeutig nicht. Ich glaube, das ist das Ei des Kolumbus.

Es gibt natürlich keinen Weg, das herauszufinden. Vielleicht bin ich ziemlich verrückt? Dennoch berichte ich nur das, was ich sehe. Wie van Gogh.
Ich habe mich prostituiert. Ich habe ihnen ihre Mystery-Geschichten gegeben. Gestern abgeliefert. Sie bezahlten sofort. Jetzt kann ich wieder essen. Und meine Miete bezahlen. Und weiterschreiben.

Ich frage mich, ob irgend jemand etwas bei diesem Geschäft gewonnen hat. Auf der anderen Seite, warum soll ich mich das fragen? Was macht das für einen Unterschied?Ich werde nie ein neuer GIDE oder JOYCE oder DOSTOYEVSKY sein. Also, warum sollte ich weitermachen?

Weil ich muss. Es gibt keinen anderen Grund. Auch ich bin Prometheus.

(Vera F. Birkenbihl aus ihrem Buch: „Geschichten und Gedichte“)

Ich las gerade bei Katrin einen Eintrag, der an diese grossartige und starke Frau erinnert:

Anti-Alzheimer : Denkfit im Alter

11 Gedanken zu “Warum schreibe ich eigentlich?

  1. Spuren hinterlassen und dies im positiven Sinne, welch wundervolle Vorstellung!
    Wenn ich wiedergeboren werde, dann gehe ich auf Spurensuche nach meinen Hinterlassenschaften! Da muss ich noch viel dran arbeiten, im positiven Sinne! Dies ist eine Motivation für all mein tun!
    Beispielhaft sind Menschen wie diese Frau!
    Danke Christel für den YouTube Tipp!
    Und danke Katrin für Deinen Anstoß dazu!

    ❤Abendgrüsse Babsi

    Gefällt 1 Person

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