Der Stein und die Libelle

 

 

 

In einem Weiher klar und rein
Lag auf dem Grund ein dicker Stein.
Er blickte missvergnügt empor
Und seufzte: Warum darf´s nicht sein,
Dass ich einmal aus meiner Tiefe
Auftauchen kann zum Spiegelschein
Der Oberfläche über mir?
Ist keiner, der mich kann befrei´n?
Dort oben schimmerts bunt und licht,
Ich aber liege tief, verlassen und allein.
Zur gleichen Zeit, mittags um zwein,
Schwirrt überm Teich im Sonnenschein
Eine Libelle blau und leicht
Und sieht tief unter sich den Stein.
“Ach”, seufzt sie, als sie ihn erspäht,
“Wie oberflächlich muss ich sein,
Nie kann ich ruh´n in seiner Tiefe,
Nie kann ich sein mit mir allein,
Könnt ich hinuntertauchen doch,
O, wär es mir vergönnt, der dicke Stein zu sein!”

Und die Moral? Wie ihr wohl wisst:
Das Glück ist dort, wo du nicht bist.
Drum ist´s auch Glück, sich zu bescheiden,
Schon weil die Andern dich beneiden.

©  Arthur Koetz

7 Gedanken zu “Der Stein und die Libelle

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