Natürlich führte sie mich als erstes zu Scott, dem alten Wolf, in der Alten Fasanerie in Klein-Auheim. Ihn noch einmal zu sehen war mir ein Herzensbedürfnis.
Lieber alter Scott …
Oh, dein müder, trauriger Blick Erinnerung? Ganz sicher wiegt sie schwer Viele Jahre sprangst du mit Ayla und Khan umher Bestaunt wurde damals euer imponierendes Heulen In manch mondheller Nacht Was habt ihr, „Die phantastischen Drei“, Den Menschen Freude gemacht Nun ist es still um dich geworden Auf deinen Wegen schleppst du dich mühsam voran Fühlst wohl dein nahendes Ende So ist dein Lebensplan Scott, lieber alter Wolf Ich fühle in meinem Herzen So starke Abschiedsschmerzen Dich hier noch einmal zu seh´n War für mich sehr traurig …. aber trotzdem auch schön.
Wer mein Blog kennt weiß, dass ich ein besonderes Verhältnis zu den drei Polarwölfen Scott, Ayla und Khan habe. Ich habe oft über sie berichtet und ihr Schicksal geht mir sehr nahe. Ich bin sehr froh, dass ich ihn sehen konnte.
So lange hatte ich ihn nicht gesehen, musste durch die Medien erfahren, dass Khan und Ayla, seine Geschwister, inzwischen gestorben sind. Gleich nach meiner letzten HWS-OP habe ich mir ganz fest vorgenommen, dass ich ihn unbedingt sehen muss … schnellstens, sobald ich wieder richtig laufen kann. Und nun, endlich war ich auf dem Weg zu ihm.
Als ich im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim ankam, war mein erster Weg der zum Wolfsgehege. Noch 850m … ich musste schmunzeln, als ich diesen Hinweis las:
… ich und rennen, dachte ich. Meine Güte, ich bin froh, dass ich zu ihm laufen kann. So viele Schritte bin ich seit den zwei OPs nicht am Stück gelaufen. Aber heute schaffe ich das!
Am Wolfshügel angekommen suchte ich ihn, lief um das ganze Wolfsgehege und suchte und wartete. Aber da war weder Mensch noch Tier. Gut, dachte ich, es ist ja noch früh und irgendwann wird er ja aus seiner Höhle kommen. Ich setzte mich also vor den Zaun und beobachtete den Wolfshügel. Doch vergeblich. Es war still und nichts bewegte sich. „Scott, bitte, ich möchte dich so gerne sehen“, rief ich zur Höhle hinüber, „jetzt bin ich von so weit her zu dir gekommen. Ich weiß, du hast Probleme mit dem Laufen, so wie ich auch. Trotzdem bin ich gekommen, weil es wahrscheinlich das letzte Mal sein wird, dass wir uns sehen … bitte Scott!“. Mir war zum Weinen, ich hatte mich so auf ihn gefreut. Aber es blieb still.
Ich hatte mich dazu entschlossen, nun erst mal nach den anderen Wölfen zu sehen, den Grauwölfen und den jüngeren drei weißen Wölfen. Nach ein paar Schritten drehte ich mich noch einmal herum und … ich traute meinen Augen kaum. Da war er, kam hinter dem Hügel hervor und direkt auf mich zu. Er sah mich an, ja – er sah mich!
Zum Vergrößern bitte anklicken!:
Er legte sich vor mich hin und tausend Gedanken strömten durch mich hindurch – Erinnerungen! An damals, als sie noch zu dritt waren und ich auch nach ihnen gerufen habe:
Dann stand er wieder auf, ging langsam zurück zu seiner Höhle und verschwand. Schade, dachte ich, er hätte ruhig noch ein bisschen bleiben können. Doch zum Glück kam dann Frau Dr. Ebel, seine Ziehmutter, zur Fütterung angefahren.
Sie lockte ihn wieder aus seiner Höhle und ich konnte zusehen, wie sie ihm sein Futter reichte: „Vielleicht noch ein Hähnchenschenkelchen? … “ 😊
Ein bisschen gefilmt habe ich auch dabei – ihn noch lebend zu sehen war zu schön:
Vielleicht habe ich das große Glück, ihn noch einmal sehen zu können, während dieses Erdenlebens. Er ist nun über 14 Jahre alt und das ist weit mehr, als Wölfe in der freien Natur erwarten können. Frau Dr. Ebel wird alles dafür tun, dass er es noch gut hat, bis ihn die Schöpfung nach Hause holt.
Und ich hatte noch einen persönlichen Erfolg an diesem wundervollen Tag – eine Premiere: über 10000 Schritte. Aber ihr könnt mir glauben, für ihn wäre ich noch weiter gelaufen 🙂
Wie seltsam und eindringlich mich diese Aussage berührt hat, kann ich gar nicht beschreiben. Überhaupt, dieser ganze Artikel hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich ihn hier zur Sprache bringen möchte:
So viele wahre Worte, die mich nachdenklich stimmen. Eigentlich wollte ich „nur mal“ nach den Wölfen schauen, in Elli Radingers Wolfsmagazin, ihren neuen Newsletter lesen. Dort schreibt sie u.a. über den oben genannten Artikel.
Überhaupt, Elli Radinger hat wieder so viel Neues und Hochinteressantes zu berichten, dass ich mich von dieser Lektüre kaum losreißen kann – vielleicht möchtet ihr auch mal reinschauen – hier könnt ihr den Newsletter abonnieren :
Ostern ist vorbei und wir werden hoffentlich bald einen warmen Frühling genießen können.
Für das Wolf Magazin wird es in Zukunft einige Änderungen geben. Ich habe beschlossen, Ihnen mit den zukünftigen Newslettern mehr positive Nachrichten zu überbringen.
Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Ich bin der ganzen Aggressionen in den sozialen Hetzwerken einfach müde. Es macht mich krank, nur noch populistische Meldungen über Wölfe zu hören. Wir brauchen wieder ein wenig mehr Optimismus in unserer Welt und ich möchte meinen kleinen Teil dazu beitragen. Der neue Newsletter wird also in Zukunft eher ein persönlicher Brief von mir an Sie sein, ein Gespräch zwischen Freunden. [….]“ … wie schön, was Elli Radinger da schreibt!
„Wir brauchen wieder ein wenig mehr Optimismus in unserer Welt“