Storchenliebe

 

Was für eine Freude, sie zu sehen. Endlich sind sie wieder da. Und sie haben sich kaum verändert.

Gerade angekommen, stand sie wieder da oben und klapperte:“Wo er denn wieder bleibt! Der wird sich doch nicht verflogen haben.“

„Bin gleich da, meine Liebe!“, dröhnte es von oben.

„Hmmm … jetzt wird´s aber Zeit! Eine Dame lässt man nicht warten!“, murrte sie.

„Aaaaachtung! Mach Platz, ich lande!“

„Hoppla, da bin ich schon.“

„Moment, mein Lieber, ich werde noch das Bettchen etwas aufschütteln!“

„Und? Wie war dein Flug? Alles klar soweit?“, klapperte er sie von der Seite an.

„Aber ja, ich hatte sogar noch Zeit, mich etwas frisch zu machen.“, säuselte sie.

Die folgenden zwei Bilder werden nicht kommentiert – zu intim!

 

Unmittelbar danach: „Heee Leute, habt ihr DAS gesehen? Ha, jawohl, so macht man das!“, proletete der Storchenmann vom Storchenturm.

„Pssst … musst du denn schon wieder so angeben!“, rügte ihn die Storchenfrau.        „Lass´ das!!!“, schob sie aufgebracht nach.

„Leute, ich nehme alles zurück! ….  Aber habt ihr DAS gesehen?“. Sein aufgeregtes Geklapper war über das ganze Gelände zu hören.

„So, jetzt reicht es mir! Das gleiche Jungburschengehabe wie letztes Jahr. Und ich dachte, du wärst jetzt erwachsener!“, fauchte sie und stellte zornig ihr Gefieder.

„Und du bist noch die gleiche zänkische Zicke wie letztes Jahr“, konterte er.

„Das ist eine Beleidigung! Und das in meinem Zustand!“, jammerte sie sogleich zutiefst getroffen los.

„Aber du hast doch angefangen.“, erwiderte er trotzig. „Und was heißt „in deinem Zustand“? Ist es für diese Aussage nicht noch etwas zu früh, nach diesem einen Mal?  Egal, wenn´s dir nicht passt, dann kann ich ja geh´n!“

„Ach, dachte ich mir´s  doch! Du willst dich deiner Vaterpflichten entledigen!“,  schimpfte sie, während er aufgebracht, wie das Konflikt-Flüchter eben so tun, davonrauschte.

Nun stand sie da und dachte so bei sich: „Was soll ich mich aufregen. Der kommt ohnehin wieder, wenn er merkt, wen er da verlassen hat. So eine wie mich findet er so schnell nicht wieder ….. „.  Sie wartete und wartete. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten – aber dann holte sie tief Luft und schrie so laut sie konnte: „Komm´ sofort zurück!“

Und das ließ er sich nicht zweimal sagen. Er flog einen weiten Bogen und schoss auf den Storchenturm zu. Nach einer heftigen Landung stand er dann neben ihr.

„Ach wie habe ich dich vermisst, mein Liebster. Du wirst der beste aller Storchenväter sein!“, flüsterte sie ihm glücklich zu.

„Das habe ich vor! Hast du etwas anderes von mir erwartet? Wie auch letztes Jahr werden wir in die gleiche Richtung schauen  ……

Erinnerst du dich? Damals,  da habe ich …. „, schwadronierte er noch stundenlang. Ganz nach Mannesart!   😉

14 Gedanken zu “Storchenliebe

  1. Oh, wunderschön! Und was für Fotos! An meiner täglichen Bahnstrecke durchs Kinzigtal gibt es drei Storchenwohnungen, und ich verbringe das ganze Frühjahr damit, den richtigen Moment für eine Aufnahme zu erwischen. Aber natürlich fährt der Zug zu schnell, sind die Störche zu weit weg, ist das Handy einfach das falsche Gerät, um solche Bilder zu machen. Gratuliere!

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