Morgen darf das 1. TĂŒrchen am Adventskalender geöffnet werden. Ich weiĂ schon, was ich dahinter finden werde, denn es ist seit vielen Jahren der Gleiche – „Ein etwas anderer Adventskalender“ (siehe mein Eintrag https://seelenglimmern.com/2019/11/24/die-wartezeit-bis-zum-weihnachtsfest/ )
Alles, was ich in diesem Kalender finde, bleibt fĂŒr mich immer aktuell und ĂŒberdenkenswert. Viele Werte, die mir wichtig sind! Morgen werde ich hinter dem TĂŒrchen „VerstĂ€ndnis“ finden.
„Es gibt in einem anderen Menschen nichts, was es nicht auch in mir gibt. Dies ist die einzige Grundlage fĂŒr das Verstehen der Menschen untereinander.“, schrieb Erich Fromm
Ich ĂŒberlege, ob ich wirklich genĂŒgend FĂ€higkeit besitze, die Gedanken, Emotionen und Absichten des anderen zu erkennen und zu verstehen. Das ist ja Voraussetzung fĂŒr ein VerstĂ€ndnis. Und wie sieht das beim Anderen aus, hat er fĂŒr mich VerstĂ€ndnis? FĂŒr mein Handeln, meine Worte und manchmal auch meine Wut?
„Es gibt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren, verstĂŒnden sie auch.“, meinte Goethe dazu. Dies bilde ich mir gewiss nicht ein, denn oft muss ich erst nachdenken, bevor ich fĂŒr etwas „UnverstĂ€ndliches“ ein VerstĂ€ndnis aufbringen kann.
Zum Beispiel, wenn ich merke, dass ich es mit SchwĂ€tzern oder Prahlern zu habe. Die wĂŒrde ich dann gerne „abwerfen“, wie der Delphin den Menschenaffen. Diese beiden fallen mir dabei immer ein. Die Skulptur âLe Single et le Dauphinâ von Jean-DĂ©sirĂ© Ringel dâIllzach, die ich im MusĂ©e dâArt Moderne et Contemporain de Strasbourg gesehen habe und in diesem Zusammenhang die Fabel des französischen Schriftstellers La Fontaine : Der Delphin und der Affe

Der Delphin und der Affe
Es war der Griechen Art und Weise,
Wenn uns nicht tÀuscht die alte Kunde,
Dass sie auf jede Meeresreise
Mitnahmen Affen und Gauklerhunde.
Einst stieĂ ein so gerĂŒstetes Schiff
Nicht weit von Athen auf ein Felsenriff.
Es wÀre alles umgekommen,
Wenn nicht Delphine mitgeschwommen.
Die sind uns Menschen sehr gewogen,
Sofern uns Plinius nicht belogen.
Sie retteten alle nach Möglichkeit.
Selbst einem der Affen, der Hilfe schreit,
Hat ein Delphin, den er betrogen
Durch seine MenschenÀhnlichkeit,
Den sichern RĂŒcken hingebogen.
Der Affe stieg auf voll Ernst und WĂŒrde,
War wie Arion anzusehn.
Wie der Delphin nun seine BĂŒrde
Gen Land trug, fragte er den Affen:
»Ihr seid wohl einer aus Athen?«
»Ja,« sagte der, »man kennt mich gut.
Habt Ihr dort einmal was zu schaffen,
Kommt nur zu mir. In Ansehn stehn
Wir dort, in unsern HĂ€nden ruht
Manch hohes Amt seit manchem Jahr,
Mein Vetter ist oberster Richter sogar.«
Da sagte Dank das Tier der Flut.
»So werdet Ihr auch hin und wieder,
Den herrlichen PirÀus sehn?«
»Mein bester Freund ist der! So bieder
Wie er ist keiner in Athen.
Der Affe hatte, unwissend genug,
Den Namen, den der Hafen trug,
FĂŒr eines Menschen Namen genommen
Und schwatzte, wie es manchen gibt,
Der dreist von allem zu reden liebt,
Was er noch nie zu sehn bekommen.
Doch der Delphin erhob den Kopf,
Betrachtete sich den albernen Tropf
Und sah nun, dass er aus den Wogen
Nichts als ein Vieh herausgezogen.
Schnell warf erâs ab und suchte umher,
Ob nicht noch ein Mensch zu retten wÀr.
Jean de La Fontaine
Es ist fĂŒr uns sicher nicht leicht, fĂŒr einen SchwĂ€tzer und Prahler wie diesen Affen VerstĂ€ndnis aufzubringen. Der Delphin hat ihn letztendlich abgeworfen und nach „menschlichen“ Menschen weitergesucht. HĂ€tte er nicht VerstĂ€ndnis aufbringen mĂŒssen, da ja nach Fromm „es nichts gibt, was nicht auch im Anderen sitzt“?
Um ehrlich zu sein, ich habe auch schon manchmal nicht nur gedacht, sondern es auch gesagt: „Mein Gott, jetzt hör endlich auf! Merkst du nicht, wie du anderen mit deinem GeschwĂ€tz auf die Nerven gehst?“
Liebe Leser meines Blogs, es benötigt nun euer VerstĂ€ndnis, um die Lösung meines „Problems“ nachvollziehen zu können. Ich mache mir eben so meine Gedanken. Ăber meine FĂ€higkeit, immer VerstĂ€ndnis aufbringen zu können …
Ich wĂŒnsche euch ein schönes 1. Advent – Wochenende đ đ đ
Vom ganzen Herzen â€ïž wĂŒnsche ich dir einen schönen besinnlichen 1. Advent, liebe Christel. đ
Liebe GrĂŒĂe von Hanne đ«