Wenn ein Buch so beginnt ….

 

«Was reglos scheint, hebt vielleicht die Welt aus den Angeln. Was mit viel Getöse rumort, rührt womöglich nur Altbekanntes um und bewegt doch nichts.

Vermutlich waren die tobsüchtigen Wellen, die den Ozean in der Nacht durchwühlt haben, nichts weiter als gut kaschierter Stillstand. Und nun, wo das Meer friedlich und schweigsam in der Behaglichkeit eines schlaftrunkenen Morgens döst und sich nach menschlichem Ermessen nichts rührt, bereitet die Tide den nächsten Wandel vor. Denn keine Kraft der Welt vermag die Gezeiten des Lebens zu unterdrücken.

Mir jener sanftmütigen Trägheit, die sich nur gigantische Schöpfungen wie der Ozean, Wale oder der Mond gestatten können, gibt sich die blaue Wasseroberfläche mit einem kaum merklichen Schaukeln zufrieden. Vielleicht weil das grösste aller Meere sich an diesem Tag seinem Namen besonders verbunden fühlt, denn Ferdinand Magellan hat es den Pazifischen, den friedlichen Ozean getauft.

Am Strand beugen sich ein paar Palmen über weissen Sand, als sei dieser geschundene Inselstaat in den letzten Jahren nicht die Hölle, sondern das Paradies gewesen.

Möwen schweben über dem Wasser und kreischen in die Seeluft hinein, was immer ihnen in den Sinn kommt, denn sie gehören zu den wenigen Geschöpfen des Landes, denen die Möglichkeit unverhohlenen Gemeckers nie genommen worden war. Ansonsten schweigt der junge Tag, aber sein Atem ist in einer leichten Brise spürbar, die landeinwärts streicht.

Etwas schwimmt auf den Strand von Syrakesh zu. Nicht geradewegs, sondern in einem geduldigen Vor und wieder Zurück, auf den schwungvollen Umwegen eines Ozeanwalzers. Zur heimlichen Musik kleiner Wellen naht es heran, zögernd …. «

(Textauszug aus «Zeit der Zikaden» von Andreas Séché)

Voller faszinierender Bilder und dem Klang heimlicher Musik beginnt dieser wunderschöne Roman – ich schliesse die Augen und sehe und höre. Mir ist sofort klar: diesen Roman wirst du lieben! Ich fühle die Spannung, die sich in mir aufbaut. Jetzt bin ich gespannt auf das Geschehen in diesem Werk und finde auch bald, was ich von guten Romanen erwarte: eine aussergewöhnlich schöne Sprache, die klingt! Philosophische Anmerkungen, geschichtliche Hintergründe, die mein Wissen auffrischen bzw. ergänzen, Themen, die mich zum Erstaunen bringen, gefühlvolle Poesie … und Liebe!

Liebe, aber nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern Liebe zu allem, was existiert – im Buch z.B. die Liebe zu einer Violine. Und die Liebe des Autors zu seinem geschriebenen Wort, zu seinem Text, der all das zum Ausdruck bringt, was seine Gedanken bewegt, was sie zum Klingen und Tanzen bringt – wie kleine Wellen, die zur heimlichen Musik eines Ozeanwalzers tanzen.

Mich fesselt, was er (be-)schreibt. Das Fremdartige des Orients, die historischen Hintergründe z.B. zur Musikentwicklung und die Geschichte der Violine, das Leben der Dorfbewohner im fernen Syrakesh und deren Geschichte, die Schönheit der Wälder, die der Bäume und die des Ozeans. Alles und noch viel mehr – so sollen Bücher für mich sein.

Und nein, ich empfinde diesen «Liebesroman» nicht als «romantisch-fantastische Spinnerei“, sondern als ein Werk, das mich erinnern sowie auch weiterdenken lässt, welches mich neugierig macht und Einblicke in Themen gibt, die ich danach noch ergänzen möchte … aus Liebe zu dem, was existiert!

Ich habe gerade noch eine beeindruckende Rezension zum Buch entdeckt, die ich unbedingt lesenswert finde:

http://blog.geschichtenagentin.de/andreas-sch-zeit-der-zikaden-rezension/

Und hier noch der Buchtrailer:

8 Gedanken zu “Wenn ein Buch so beginnt ….

  1. danke für deinen beitrag und den link – beide erweckten in mir den wunsch,
    dieses buch ganz oben auf meine „wanted“-liste zu schreiben.
    wogegen der buchtrailer und auch die inhaltsangabe, die ich irgendwo gelesen habe,
    keinerlei anreize vermittelten. denen folgend würde ich diesen roman, jetzt dir folgend, wirklich als „romantisch-fantastische Spinnerei“ abtun.
    aber es scheint (sich) wirklich einiges mehr darin zu (ver)stecken,
    was entdeckt und ergründet werden will.
    ich werde es demnächst herausfinden.

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