„Where ist the wisdom we lost in knowledge? Where ist the knowledge we lost in information?“

 

Ich hatte mir Notizen gemacht über das, was ich in diesem, mich  im Innersten bewegenden Buch, gelesen hatte.  Ich habe diese Worte nicht mehr vergessen und als ich heute den Eintrag von „nichtsnutziges sonntagskind“ sah, waren mir die „warnenden“ Worte sofort wieder gegenwärtig.
https://wolfgangdannyweber.wordpress.com/2018/01/25/mein-lesestoff-003/  )

Dem Autor war es sehr ernst, uns seine bedenkenswerte Perspektive hinsichtlich  unserer Gegenwart und Zukunft zu hinterlassen. Seine Beobachtungen und Gedanken haben mich zutiefst berührt:

„Es war die Zeit, als der Vorwurf der „Affirmation“ die Höchststrafe für ein Werk sein konnte, als „Harmlosigkeit“ ein Verdikt und „Einspruch“ der dringlichste Auftrag an den geistig Arbeitenden genannt wurde. Mit diesem kostbaren Bettel sind Generationen erst in den Wohlstand gezogen, dann in die Indifferenz. Sie lebten asynchron:
In einer Zeit dachten, in einer anderen empfanden, in einer dritten handelten sie.
Ja, wir wussten viel und fühlten wenig. Wir durften es nicht fühlen und hörten doch T.S. Eliot fragen:
„Where ist the wisdom we lost in knowledge? Where ist he knowledge we lost in information?“. Hörten es und häuften noch mehr Informationen auf. Als brauchten wir zum Handeln einen neuen Klimabericht, einen neuen Schadensbericht über die Weltmeere, den Regenwald, die grassierende Armut. Aber aus all den Fakten ist keine Praxis entsprungen, die auf der Höhe der drohenden Zukunft wäre.
Das Gefühl ist ein schlechter Ratgeber, sagen wir immer noch – als ob der gesunde Menschenverstand ein besserer wäre! – und stärken unser Immunsystem durch Bilder vom Schwund der Menschen, der ertrinkenden, zerbombten, ausgesetzten Menschen, die wir in keine Erzählung bringen, nicht weiterdenken, nicht weiter fühlen wollen. [….]

Keine Zeit hat je eine Öffentlichkeit so mikroskopisch genau zerlegen und detailvergrößern können wie diese. Damit wandelt sich auch die Idee des Adressaten literarischer Botschaften, des Empfängers pathetischer Aufklärungsideen. Unsere Geschichten vervielfältigten sich ins Maßlose, unsere Empathie aber war nicht gleich stark entwickelt. Wer sollte, wer wollte noch teilhaben? Am Ende waren Sprecher, Aussendende, Bedeutung Beanspruchende überall. Da wurde zum regelrecht idyllischen Ort die Sphäre jener, die schwiegen, nicht teilnahmen, sich unscheinbar machten, sich übersehen ließen.
Es handelte sich um parallele Bewegungen: die Souveränität ging von den Staaten auf Finanzsysteme und Konzerne über. Autonomie wurde in immer kleinere Zonen zurückgedrängt, radikal verstanden: undenkbar. Zugleich aber blies sich das Individuum auf in nie dagewesener, nie möglich erschienener Datenfülle aus dem Einzelleben, das bald ein einziges großes, gleichgeordnetes Massenleben war, das sich in Massenchoreographien durch die Städte wälzte. Und während sich all dies vollzog, wurde das eigene ICH erreicht von einer Müdigkeit, einem Welken, einem Überdruss an sich selbst, dem es die letzten Selfies ohnmächtig hinterherwarf.

(Textauszug aus „Wer wir waren“ von Roger Willemsen)

Doch damit genug der „Datenfülle“, ich wollte lediglich auch nochmals auf dieses „Buch“ , das nie geschrieben wird (es ist seine „Zukunftsrede“ und leider auch als „Abschiedsrede“ zu sehen), hinweisen. Ein Nachlass, den wir beachten sollten.

 

4 Gedanken zu “„Where ist the wisdom we lost in knowledge? Where ist the knowledge we lost in information?“

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