Ich saß auf dem Balkon und blickte in den wolkenverhangenen Himmel. Ein dunkles Grau blickte mir entgegen. Plötzlich aber entdeckte ich eine kleine Lücke, aus der mir ein strahlendes weiß entgegenstrahlte.
Das muss er sein dachte ich, der Durchschlupf, über den André Heller in seinem wundervollen Buch schreibt. Es ist der Weg ins Paradies, wenn wir dann endgültig diese Welt verlassen.
Der Durchschlupf – jener schmale Spalt im Grau des Himmels, durch den ein helles Weiß leuchtet – symbolisiert mehr als nur einen Moment des Lichts. Er steht für den Übergang, das Loslassen und die Hoffnung auf etwas jenseits unserer irdischen Existenz. Elisabeth Hellers Leben, das sich über ein ganzes Jahrhundert spannte, zeigt uns, wie nah dieser Durchschlupf stets ist, auch wenn wir ihn kaum wahrnehmen. In den Gesprächen mit ihrem Sohn André offenbart sie eine tiefe Weisheit: Das Verabschieden beginnt innerlich oft lange bevor der letzte Atemzug naht. Ihre Worte über Jugend, Vergänglichkeit und die Sehnsucht nach Frieden berühren und lassen uns erkennen, dass es im Leben nicht um das Festhalten, sondern um das bewusste Loslassen geht. So wie André Heller es beschreibt, ist der Durchschlupf der Weg ins Paradies – ein zarter Übergang voller Licht und Liebe. Er erinnert uns daran, dass selbst im Dunkel die Möglichkeit eines neuen Anfangs wohnt, wenn wir bereit sind, den Blick durch jene kleine helle Lücke zu richten.

Gemälde © chrinolo
Ja, jetzt fällt es mir wieder ein! Ich suche nochmals diese so berührende Stelle im Buch und lese:
„André: Möchtest du mir etwas sagen?
Elisabeth: Es gibt einen Durchschlupf.
Wo?
In mir. Man zieht sich ganz in sich zurück und sammelt sich vor dem Durchschlupf.
Du meinst einen Ausgang für die Seele? Man verschwindet auf diese Weise aus dem Körper?
Wahrscheinlich. Man kann ihn benützen oder nicht. Aber es gibt ihn, und ich weiß es.
Wie hast du ihn gefunden?
Durch nicht suchen. Er war plötzlich da. Glaub mir.
Ich glaub dir hundertprozentig.
Das ist wichtig. Ich rede nur darüber, wenn du mir glaubst.“
Heller, André. Uhren gibt es nicht mehr: Gespräche mit meiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr (S.80-81). Paul Zsolnay Verlag. Kindle-Version.
Dieser Gedanke, dass der Durchschlupf nicht etwas ist, das man erzwingen kann, sondern sich öffnet, wenn man bereit ist, erfüllt mich mit einer tiefen Ruhe. Es ist fast so, als ob das Leben selbst uns sanft auf diesen Moment vorbereitet – durch Erfahrungen, Erinnerungen und Begegnungen, die uns lehren, loszulassen. In diesem Prozess des Sich-Zurückziehens offenbart sich eine innere Klarheit, die uns hilft, das Unvermeidliche nicht als Ende, sondern als Übergang zu sehen. Vielleicht liegt darin die wahre Kunst des Lebens: das Erkennen und Annehmen dieses Spalts im Grau des Alltags, durch den Licht und Frieden dringen können. So wird der Durchschlupf nicht nur zum Symbol für das Ende, sondern auch für den Neubeginn in einer anderen Form des Seins.
Ganz wunderbar 🙏🌄🦋🌈
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Ich habe es bei mir angezeigt. Dürfte ich das?🙏💛✨
Wir immer sehr schön.
Gerhard